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14.12.2017 Nachlese zum FNN Fachkongress Netztechnik 2017, Nürnberg

Unter der Trägerschaft des Forum Netztechnik / Netzbetrieb im VDE (FNN) und unter Mitwirkung der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e. V. fand dieser Fachkongress am 6. und 7. Dezember 2017 in Nürnberg statt. Nachdem der Präsident der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e. V., Herr Dr. Sven Lehmann, die ca. 600 Teilnehmer seitens der Leitungstiefbauer begrüßte, konnten leitungstiefbauspezifische Themen im Forum 3 vertieft werden.

Im Forum 3 verfolgten ca. 70 Kollegen als Zuhörer und Diskutanten, was zu Normung und Ergebnissen der aktuellen Regelsetzung berichtet wurde. Es wurde aber auch eine Baumaßnahme des Übertragungsnetzbetreibers Amprion zu Erdverkabelung vorgestellt.

Die Moderation hatte Herr Dr. Sven Lehmann übernommen. Er ist Präsident der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e.V. und bildete die fachliche Klammer des Forums, da auch er in normgebenden Gremien mitwirkt: er leitet derzeit als Obmann den Normenausschuss zur ATV DIN 18322 Kabelleitungstiefbauarbeiten, die 2006 erstmals in die VOB Einzug hielt und derzeit eine Überarbeitung erfährt.

Herr Hans-Dieter Schulte, Referent für Qualität und Regelsetzung im Leitungstiefbau bei der Westnetz GmbH in Dortmund und aktiv im Güteausschuss der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e.V. und in normgebenden Gremien des VDE/FNN referierte zum Thema: „Wie erreicht man Qualität? - VDE-Anwendungsregeln für den leitungsgebundenen Tiefbau“. In den vergangenen Jahren haben VDE/FNN einige Normen für den Leitungstiefbau auf den Weg gebracht.
Die VDE-AR-N 4220 „Mindestanforderungen im Leitungstiefbau“ basiert u.a. auf Vorgaben aus ZTV A StB 12 und ZTV Asphalt StB 12 und RSA.
Aber auch die VDE-AR-N 4221 „Anforderungen für Kabellegung“ basiert auf bereits vorhandenen VDE Richtlinien zu Starkstromkabel, Energieverteilungskabel und der DIN 18322 Kabelleitungstiefbauarbeiten.
VDE-AR-N 4223 Bauwerksdurchdringungen sind derzeit in der Erstellung und erscheinen wieder textgleich mit der Normung für Gas, Wasser und Fernwärme.
Aufbereitung von Bohrsuspensionen bei HDD Bohrungen war ebenfalls ein Anliegen im Vortrag Schultes. Hierzu führt Westnetz ein Pilotprojekt durch, wobei neben Rechtsfragen auch die Mehrkosten für Entsorgung im Mittelpunkt stehen.
Haupttenor: Bohrschlamm ist Abfall und dessen Entsorgung ist kostenintensiv. Kann das Volumen des Bohrschlamms reduziert werden, sinken auch die Kosten. Dafür sind allerdings erstmal Investitionen der Bohrfirmen notwendig. Das Pilotprojekt von Westnetz soll hier Fragen klären und Alternativen aufzeigen.

Vortrag Herr Schulte (pdf)

Herr Dieter Schaffaff, ehemals Leiter der Planungsabteilung des Netzbaus bei den Stadtwerken Düsseldorf und Leiter Vermessung und Dokumentation und technischer Prokurist der Elektrizitäts- u. Gasversorgung in Monheim, ist heute Mitglied in VDE/FNN- und DIN-Fachberaterkreisen und Gutachter für die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e.V. Durch sein Mitwirken auch in DIN-Normungsgremien, konnte er fachkompetent zur Neufassung DIN 1998 „Unterbringung von Leitungen in öffentlichen Verkehrsflächen“ referieren. So auch der Titel seines Vortrags: „Wo gehört was hin?“, denn die DIN 1998 definiert die Lage von Versorgungsleitungen bei Neuplanung sowohl horizontal als auch vertikal. Schaffaff zeigte auf, dass ungeordnete Legung sowohl beim Bau als auch bei der späteren Unterhaltung und Reparatur zu großen finanziellen Aufwendungen führen kann. Der Anwendungsbereich der DIN 1998 wurde auf öffentliche Verkehrsflächen auch außerorts erweitert.
Neben leitungsfreien Zonen direkt an der Grundstücksgrenze, an die sich künftig die TK-Zone anschließt, wurde auch Freiraum für das Aufstellen von Schränken und Leuchten definiert. Überbauungen von Leitungen sind grundsätzlich ausgeschlossen.
Festgelegt sind ebenfalls neben Mindestüberdeckungen aus der ATB BeStra auch die Lage der Leitungen überörtlicher Versorgung (z.B. Kanal), die definitiv in die Straße zu legen sind.

Vortrag Herr Schaffaff (pdf)

Herr Dr. Christoph Gehlen ist seit 2009 als Leiter Leitungen der Amprion GmbH verantwortlich für die Projektierung und Umsetzung von Freileitungs- und Kabelprojekten.
So konnte er auch im Forum 3 zur Umsetzung einer Teilverkabelung gemäß EnLAG – Rahmenbedingungen berichten und einen Blick in die Zukunft wagen.
Dr. Gehlen gab zuerst Einblick in die Kabeltechnik, die Lieferlängen und Verbindungen von Teillängen. Da sich Kabel im Vergleich zu Freileitungen deutlich kapazitiver verhalten, wird im Wechselstrombetreib kontinuierlich eine sogenannte Blindleistung benötigt. Die Länge von Wechselstromkabeln ist daher auf wenige Kilometer zu begrenzen.
Bei offener Verlegung sind Projekt- und Kostenrisiken überschaubar. Hier ermöglicht neben einer exakten Positionierung der Kabel auch eine Schutzrohrverlegung den späteren Kabeleinzug ohne Bodenbewegung.
Für grabenlose Legung wurden im Vortrag Pilotrohrvortrieb, Mikrotunnelbau und HDD Spülbohrung genannt. Erst in der Planfeststellung wird in Abhängigkeit von örtlichen Gegebenheiten final entschieden, welches Verfahren zur Anwendung kommt, so Gehlen.
Mehrere Amprion Projekte wurden genannt, die entweder aus dem EnLAG stammen oder nach Bundesbedarfsplanung in Auftrag gegeben wurden. Konkret stellte der Referent das 380 KV Kabelpilotprojekt in Raesfeld und Borken vor.
Fazit des Vortrags: Verkabelungen können helfen, lokale Planungskonflikte zu lösen und helfen somit dem Netzausbau.

Vortrag Dr. Gehlen (pdf)